Änderung der Geschlechtszugehörigkeit
Allgemeine Informationen
Im Zentralen Personenstandsregister (ZPR) werden
- die Geburten aller österreichischen Staatsbürgerinnen/Staatsbürger und
- aller in Österreich geborenen Personen (unabhängig von der Staatsbürgerschaft)
einschließlich der Geschlechtszugehörigkeit eingetragen.
Erfasst werden darüber hinaus in Österreich lebende Konventionsflüchtlinge und Personen, deren Beziehungen zu ihrem Heimatstaat aus vergleichbar schwerwiegenden Gründen abgebrochen sind, wenn sie ihren Wohnsitz, mangels eines solchen ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben; außerdem Staatenlose sowie Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit, wenn sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben.
Hinweis
Für Personen, die weder die österreichische Staatsbürgerschaft noch einen Asylstatus haben, gilt grundsätzlich für die Personenstandsänderung das Recht des Landes ihrer Staatsbürgerschaft (dieses kann auf das österreichische Recht verweisen).
Nach Bewilligung der Geschlechtsänderung oder -berichtigung werden die Daten über den Geschlechtseintrag im Zentralen Personenstandsregister (ZPR) geändert und es kann eine neue Geburtsurkunde auf Antrag ausgestellt werden.
Voraussetzungen
Transidentität ("Transsexualität"; Gender-Dysphorie; Gender-Inkongruenz)
Transidentität bedeutet, dass eine Person medizinisch einem Geschlecht zugewiesen ist, sich in diesem Geschlecht aber falsch oder unzureichend beschrieben fühlt bzw. jede Form der Geschlechtszuordnung und Kategorisierung ablehnt. Das psychische Geschlecht bzw. die Geschlechtsidentität stimmt somit nicht mit dem biologischen Geschlecht überein (VwGH vom 5.12.2024, Zl 2023/01/0008-6).
Eine geschlechtsangleichende Operation ist für eine Änderung des Geschlechts in Österreich keine Voraussetzung.
Nach der höchstgerichtlichen Judikatur im Zusammenhang mit Transidentität ist für die Änderung des Geschlechtes eine ernsthafte Nichtübereinstimmung zwischen der empfundenen Geschlechtsidentität und dem eingetragenen Geschlecht erforderlich.
Das subjektive Geschlechtsempfinden muss gefestigt sein und darf sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mehr ändern.
Für die Feststellung ist ein medizinisches Sachverständigengutachten bestehend aus einem Befund (Tatsachenfeststellung) und einem Gutachten im engeren Sinn (Urteil/Schlussfolgerungen) erforderlich.
Zu den Anforderungen an das Gutachten führt der VwGH in seiner Entscheidung vom 12. März 2026, Ro 2023/01/0005-7, aus, dass es sich dabei
- um ein geeignetes medizinisches Sachverständigengutachten handeln muss, das
- durch entsprechend geschulte Fachkräfte insbesondere im Wege einer psychiatrischen, klinisch-psychologischen, urologisch-gynäkologischen und/oder endokrinologischen Diagnostik vorzunehmen ist.
- Das Sachverständigengutachten muss einen Befund (Tatsachenfeststellung) und
- ein Gutachten im engeren Sinn (Urteil/Schussfolgerung) enthalten.
Aus dem Gutachten muss sich ergeben, dass das
- subjektive Geschlechtsempfinden gefestigt ist und sich daran
- mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nichts mehr ändern wird (ernsthafte Nichtübereinstimmung, ausgeprägte Diskrepanz zum eingetragenen Geschlecht).
Insbesondere Gutachten von entsprechend geschulten psychiatrischen, klinisch psychologischen, urologisch-gynäkologischen und/oder endokrinologische Gutachten von Fachkräften sind dazu geeignet (VwGH 12.03.2026, Ro 2023/01/0005-7).
Nähere Informationen gibt die verfahrensführende Behörde.
Intersexualität
Man spricht von Intersexualität, wenn bei einer Person in medizinischer Hinsicht ungewiss ist, ob sie dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen ist, weil eine atypische Entwicklung der geschlechtsdifferenzierenden Merkmale besteht (Stellungnahme der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt zu Intersexualität und Transidentität).
Mit der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs wurde festgestellt, dass es eine weitere, vom männlichen und weiblichen Geschlecht biologisch verschiedene Geschlechtskategorie (Intersexualität) gibt. Diese intersexuellen Personen haben ein Recht auf Eintragung ihrer Geschlechtskategorie (= sog. "3. Geschlecht") im Personenstandsregister (VfSlg 20258/2018).
Für die Eintragung der Geschlechtskategorie stehen die Begriffe "divers", "inter", "offen" zur Verfügung.
Das Geschlecht wird in der Regel erstmalig durch eine Ärztin/einen Arzt oder eine Hebamme bei der Geburt bestimmt. Bei der Geburt eines Kindes können neben männlich und weiblich folgende Geschlechtsbezeichnungen eingetragen werden: offen, divers oder inter, oder von jeglicher Angabe abgesehen werden. Eine solche Eintragung setzt voraus, dass für die Ärztin/den Arzt oder die Hebamme nach der Geburt des Kindes eine eindeutige Zuordnung des Geschlechts zu männlich oder weiblich nicht möglich ist.
Nach den Vorgaben der höchstgerichtlichen Judikatur kann ein Antrag auf Eintragung einer intersexuellen Geschlechtsbezeichnung unter folgender Voraussetzung bewilligt werden:
Vorlage eines Fachgutachtens mit der Darlegung, dass das Geschlecht der antragstellenden Person auf Grund ihrer chromosomalen, anatomischen und/oder hormonellen Entwicklung weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann.
Zuständige Stelle
Anträge auf Geschlechtsänderung bzw. -berichtigung sind grundsätzlich bei einer Personenstandsbehörde einzubringen.
Personenstandsbehörden sind:
- Das Standesamt oder der Standesamtsverband der Gemeinde
- In Statutarstädten: das Standesamt des Magistrats
- In Wien: die Standesämter in Wien
Gegen einen Bescheid der Personenstandsbehörde (Standesamt) kann eine Beschwerde beim jeweiligen Landesverwaltungsgericht erhoben werden. Diese ist binnen vier Wochen bei der Behörde einzubringen, die den Bescheid erlassen hat.
Weitere Behördenwege
Im Zuge der Änderung des Geschlechts kann ein neuer, geschlechtsspezifischer Vorname durch eine Namensänderung von Erwachsenen bzw. von Minderjährigen angenommen werden.
In Österreich können Namensänderungen von ausländischen Staatangehörigen nur dann durchgeführt werden, wenn diese staatenlos sind, die Staatsangehörigkeit ungeklärt ist und die Personen den gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben oder Flüchtlinge im Sinne der Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und des Protokolls über die Rechtsstellung der Flüchtlinge oder Personen, deren Beziehungen zu ihrem Heimatstaat aus vergleichbar schwerwiegenden Gründen abgebrochen sind, wenn sie ihren Wohnsitz, mangels eines solchen ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben.
Das Standesamt stellt in weiterer Folge auf Antrag eine neue Geburtsurkunde aus. Mit dieser Geburtsurkunde kann die Neuausstellung aller anderen relevanten Dokumente beantragt werden, wie z.B.
- Namensänderung im Staatsbürgerschaftsnachweis,
- Neuausstellung eines Reisepasses
- Führerschein - Duplikat
Weiterführende Links
- Intersexualität und Transidentität – Stellungnahme der Bioethikkommission (BKA)
- Personenstandsänderung (Stadt Wien)
- Erkenntnis des VwGH 12.03.2026, Ro 2023/01/0005-7
- Erkenntnis des VfGH, VfSlg 20258/2018

